Der 6. Freund, den Du nicht brauchst


... ist der, der Dir bei Planung und Steuern hilft oder sagt: Das macht alles mein Steuerberater - kostet auch nicht viel.


Deine Zahlen sind Deine Zukunft - Du musst Sie kennen und verstehen


Wer eine gute Idee hat, ist noch kein guter Geschäftsmann

Laut DIHK wurden in 42 Prozent der Fälle kaufmännische Mängel als Grund für ein mögliches Scheitern deutlich.

Doch offenbar nehmen viele Gründer das Thema noch nicht ernst genug. "Na ja, ich krieg das schon alles hin - nur mit Buchhaltung, da kenne ich mich nicht aus - da hilft mir dann ein Bekannter." Bekannter - das ist hier ein Platzhalterwort - kann auch stehen für "Freundin", "Mutter", "Kumpel". Meistens sind das dann auf Nachfrage Menschen, die zwar kein Steuerberater, auch keine Steuerfachangestellten sind, aber eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich haben.

Es muß ja nicht gleich so sein, daß der Nachbar oder Freund oder Bekannte sich strafbar macht: Denn: Wer seinem Nachbarn bei der Steuer hilft, macht sich strafbar wegen des Verstoßes gegen das Steuerberatungsgesetz. Dies gilt auch dann, wenn der Freund für seine Hilfe keine Gegenleistung nimmt. Mit Geldbußen kann auch der „Auftraggeber“ belegt werden. Außerdem besteht keinerlei Anspruch auf Gewährleistung oder Schadenersatz, wenn Ratschläge falsch sind. Allerdings: In meiner Beratungspraxis ist dieser Fall bisher nur selten vorgekommen – und dann schnell beendet worden, wenn ich über die Folgen aufgeklärt habe.

Aber: Schlimmer ist es, wenn die gebuchten Zahlen, die Systematik einer Buchhaltung und die entsprechenden Ergebnisse für nicht so wichtig erachtet werden. Wer die Zahlen nicht ernst nimmt, ist meistens schneller in einer ernsten Lage, als es ihm oder ihr lieb ist. Auch wenn ein Gründer oder einer Gründerin ein kluger Kopf ist, in seinem Bereich ein sehr gutes Fachwissen hat. Auch wenn ein Gründer oder eine Gründerin gut mit Kunden klarkommt. Und dazu noch sagen kann „Läuft“ – wenn es um Aufträge, Auslastung und Umsätze geht. Dinge wie Buchhaltung, Rechnungswesen und Controlling nicht zu kennen, ist das eine. Sich dieser Aufgabe zu stellen und sich notwendiges Wissen anzueignen ist das andere. Nur wenn das andere auch klappt, wird es mittelfristig nicht zu Problemen kommen.

Auch die Beauftragung eines Buchhaltungsbüros oder eines Steuerbüros löst dieses Problem nicht. Nur das Abheften der Belege und sammeln der Kontoauszüge bringt nichts – auch dann nicht, wenn es sehr ordentlich erfolgt. Wer die Fixkosten seines Betriebs nicht im Kopf hat, wird in Verhandlungen über ein Angebot nicht schnell genug die richtige Entscheidung treffen können.

Wer auf die Frage nach dem durchschnittlichen Monatsumsatz der letzten drei Monate antwortet: „Da muss ich erst meinen Steuerberater fragen“, macht nach außen keine gute Figur und ist nach innen handlungsunfähig. Jeder, der für sich und andere Verantwortung durch Führung eines – noch so kleinen – Betriebes hat, muss die wesentlichen Kostenpositionen im Kopf haben und die Ergebnisse der letzten Monate verstanden haben, um Fehler zu beenden und eben dauerhaft Geld zu verdienen.

Um es klarzustellen: Niemand muss Bilanzbuchhalter sein, die Zahlen können gerne delegiert ermittelt werden. Aber das lesen dieser Zahlen und entsprechend darauf zu reagieren – das kann nicht delegiert werden. Es geht, darum einfache Dinge auch so einfach zu nehmen, wie sie sind:

Es muss immer genug Geld in der Kasse sein, um alles rechtzeitig bezahlen zu können (Liquidität). Es muss mehr eingenommen werden, als ausgegeben wird (Rentabilität). Schulden müssen getilgt werden, es muss investiert werden und es müssen Rücklagen geschaffen werden.

Mit der Liquidität muss immer angefangen werden. Wer sich da nicht auf eine genaue Planung einlässt, muss sich nicht wundern, wenn es schief geht.

Keine Zeit dafür? Diese Ausrede führt dann irgendwann dazu, dass wirklich keine Zeit mehr dafür besteht, sich die fehlenden Kenntnisse anzueignen und gegenzusteuern. Wer sich nur am Jahresende im Rahmen der Steuererklärung für seine „Zahlen“ interessiert, interessiert sich nicht wirklich für sich selbst. Denn die Zahlen geben ja Auskunft darüber, ob ein Business erfolgreich ist oder nicht. Wie ein Hochseedampfer hat ein Unternehmen meistens einer sehr langsame Reaktionszeit – der Bremsweg ist lang, sehr lang – und das Ruder herumzureißen bedeutet nicht, dass der Kurswechsel sofort erfolgt. Das Unternehmen dreht sich langsam in die richtige Richtung.

Fazit

Zahlen selber rechnen, die Zahlen von einem Profi erfassen lassen. Das Verständnis für die Entstehung der Zahlensystematik = Buchhaltung rechtzeitig aneignen. Die Krise kommt von ganz allein. Sei nicht die Ursache dafür.


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