33/2017: Denken. Mit Zahlen. Für die Zukunft.

Denken. Mit Zahlen. Für die Zukunft.

Im Blog 05/2017 schrieb ich: "Habt ihr es auch schon gemerkt? Die Demografie-Voraussagen der Bundesregierung, die jahrzehntelang – auf der Grundlage von Prognosen von Wirtschaftsweise und Politiker- den Untergang westlicher Gesellschaften vorhersagten, werden still und leise zurückgenommen. Hieß es damals noch: In Deutschland würden zu wenig Kinder geboren, zu wenig junge Arbeitskräfte stünden zur Verfügung, die Alterung der Gesellschaft sei nicht aufzuhalten. Diese Botschaft war meist verbunden mit der Konsequenz: Die sozialen Sicherungssysteme lassen sich nicht weiter aufrechterhalten. Privatvorsorge musste her. Nun sind diese Vorsorgesysteme allesamt gescheitert. Schwups: Anders als in früher angestellten Prognosen geht die Bundesregierung demnach nicht mehr von einem Sinken der Bevölkerungszahl von derzeit 82 auf 73 oder gar 67 Millionen aus. Unter den veränderten Bedingungen könne "die Einwohnerzahl in Deutschland bis 2060 ungefähr auf dem heutigen Stand stabil bleiben", lautet die Voraussage. Wir werden es erleben.“ Neues Material dazu findet sich überall – ein Beispiel hier: „Soweit mit dem eigenen Denken gekommen, brauchen wir nur noch nachzurechnen: Beträgt der Produktivitätsfortschritt in den nächsten 50 Jahren durchschnittlich nur ein Prozent – und das ist eine sehr pessimistische Prognose für unsere Wettbewerbswirtschaft – so würden im Jahr 2060 in jeder Arbeitsstunde zwei Drittel mehr als heute hergestellt. Damit wäre ein Arbeitnehmer in der Lage, seinen Anteil für die gesetzliche Rente auf 20 Prozent zu verdoppeln und hätte trotzdem noch fast 50 Prozent mehr in der Tasche. Selbst ein absurd hoher Arbeitnehmer-Anteil von 30 Prozent für die Rente ließe ihm noch 28 Prozent mehr in seiner Tasche. Dazu käme dann noch der Arbeitgeberanteil, so dass die prognostizierte höhere Rentnerzahl sogar noch gut am Fortschritt teilnehmen könnte. Warum wird diese simple Rechnung von all den Politikern bei ihren Prognosen ignoriert? Weil die Rechnung eines voraussetzt: Der Produktivitätsfortschritt müsste anteilig auch an die Arbeitenden ausbezahlt werden. Nur so könnte das Geld auch bei den Sozialversicherungen landen. Und das ist der Knackpunkt. Eine Teilnahme der Löhne am Produktivitätsfortschritt wird bewusst nicht mitgedacht.“ Also: Einfach anfangen, nachzudenken. Und das besonders im Wahljahr. Danke an Gerhard Bosbach für diesen Beitrag. Wer mehr Bosbach haben will: Gerd Bosbach das Buch "Lügen mit Zahlen – Wie wir mit Statistiken manipuliert werden" (Heyne Verlag 2011).

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