Notizen und Gedanken - 11/2019

#Facebook und Datenschutz - Gegensätze ziehen sich an?

Bild vom U-Boot-Bunker Valentin in Bremen-Farge

Die Woche beginnt schlecht für Facebook: In der Presse wird darüber spekuliert, warum der Chef von Facebook versucht, uns allen zu erklären, was sich zukünftig an Facebook ändern wird: „We don't currently have a strong reputation for building privacy protective services." ["Wir haben derzeit keinen besonders guten Ruf, was den Aufbau von Diensten angeht, die die Privatsphäre schützen."] Über solche und ähnliche Sätze wird in vielen Artikeln milde gelächelt und manchmal auch Hohn und Spott ausgegossen. Denn: Immer mehr Menschen wird klar, dass Facebook die Daten seiner Kunden dazu benutzt, um damit Geld zu verdienen. Es gibt unter meinen Kunden zwei Gruppen: Die eine Gruppe ist nicht bei Facebook und die andere macht dort mit. Die letztere Gruppe ist dann offen für die Nutzung der Möglichkeiten, um auf Facebook Kunden zu gewinnen. Und: Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig sich Nutzer und Nutzerinnen von Facebook dafür interessieren, was mit den Daten von ihnen und ihrer Kunden dort passiert und welche Konsequenzen das haben kann – wie gesagt, es geht in Richtung „Mithaftung“, wenn man Facebook für sein Business nutzt. Zurück zu Zuckerberg – er teilt mit: "Eine großartige Eigenschaft von Messaging-Diensten ist, dass persönliche Gespräche und Gruppen privat bleiben, auch wenn die eigene Kontaktliste wächst. So wie Ihr Freundeskreis sich über die Zeit entwickelt, entwickeln sich Messaging-Dienste elegant mit und bleiben dabei intim." (…) "Ich glaube, dass die Zukunft der Kommunikation sich zunehmend hin zu privaten, verschlüsselten Diensten verschieben wird, wo die Leute darauf vertrauen können, dass das, was sie zueinander sagen, sicher ist und Inhalte nicht ewig verfügbar bleiben." Wenn er das umsetzen würde, bleibt von Facebook nichts mehr. Und das wäre nicht das Schlechteste.

#Facebook - Das Ende ist nah?

Zitronenkuchen vom Blech

Zu Beginn der Woche war es klar: Zuckerberg verkündet das Ende von Facebook. Es gibt Zweifel daran, dass er das wirklich will. Aber vielleicht droht der Untergang ja von ganz anderer Seite – denn viele fragen sich heute schon, ob sie morgen noch bei Facebook sein wollen. Kennst Du Myspace? Oder Friendster? Ich kannte beide nicht – aber ab und zu finden sich Spuren beider Netzwerke, wenn über Google eine Namensuche betrieben wird. Beides waren soziale Netzwerke, die von Facebook verdrängt wurden – aber der Rückgang der Nutzerzahlen setzte deutlich vorher ein. In Zeit Online gab es dazu einen tollen Artikel. Danach gibt es eine Theorie, die besagt, dass soziale Netzwerke eben auch wie ein Netz funktionieren – und daher von außen zerfallen. Die Nutzer, die die wenigsten Verkünpfungen (Knoten) haben, verlassen das Netz am schnellsten und destabilisieren den Kern des Netzes, der dann nur noch aus den „alten“ Nutzern, die gute Verbindungen haben, besteht. Zahlen aus 2018 sind in einer Studie wie folgt so. Facebook verzeichnet in Deutschland einen Zuwachs von von elf Prozent. Aber: Die Plattform verliert bei Jugendlichen an Relevanz: „Noch vor vier Jahren war Facebook in keiner Altersgruppe beliebter als unter Teenagern. Damals nutzten 89 Prozent der 14- bis 19-Jährigen das Netzwerk, mittlerweile sind nur noch 61 Prozent der Nutzer zwischen 14 und 19 Jahren darin unterwegs. Stabil bleibt dagegen die Nutzung in der Altersgruppe 20 bis 29: 89 Prozent der Befragten sind bei Facebook aktiv." Der Zuwachs in absoluten Zahlen geht auf ältere Nutzer zurück – den sog. “Silver Surfern” ab 60 Jahren, deren Anteil um 23 Prozentpunkte gewachsen ist. 70 Prozent der Befragten verwenden nun die Plattform. Auch bei den Altersgruppen der 30- bis 39-Jährigen (16 Prozentpunkte), der 40- bis 49-Jährigen (12 Prozentpunkte) sowie der 50-bis 59-Jährigen (20 Prozentpunkte) stieg die Verwendung. Wir merken uns den Satz eines Experten, der voraussagt, dass die Nutzerzahlen bei Facebook wieder sinken werden: „Denn wer heute als Teenager Facebook nicht nutzt, wird als Twen kaum damit anfangen. Und auf Dauer wird es den wegbrechenden Nachwuchs nicht mehr durch zusätzliche User aus älteren Zielgruppen ausgleichen können.“

 

Ist das Ende also hausgemacht und erleben wir es schon tagtäglich?

 

 

#Zerschlagung von Google, Facebook und Amazon?!

Wahrlich eine schlechte Woche für Facebook. Im Wahlkampf in den USA schlug jetzt die Elisabeth Warren, die die nächste Präsidentin der USA werden will, vor, mit Anti-Trust-Gesetzen  die Aufteilung und Machtbeschränkung der großen Konzerne Amazon, Facebook und Google. Apple bleibt vorerst außen vor. Alle Unternehmen ab einem Jahresumsatz von 25 Milliarden US-Dollar im Internet-Sektor sollen für eine Zerschlagung infrage kommen. Online konnte dazu folgendes gelesen werden: „Konkret soll ab dieser Größenordnung untersucht werden, ob der Konzern einen Marktplatz oder eine Plattform anbietet, über die sich Dritte vernetzen können - womit etwa Facebook gemeint wäre. Ist das der Fall, sollen die Firmen geteilt werden: In einen Teil, der primär für die technische Infrastruktur zuständig ist und in einen Teil, der sich um die Inhalte kümmert. Diese müssten allen Interessierten diskriminierungsfrei zur Verfügung stehen, Daten dürften nicht mehr mit anderen Unternehmen geteilt werden. Diese inhaltlichen Vorgaben sollten nach Meinung von Warren auch für Firmen mit einem Umsatz zwischen 90 Millionen US-Dollar und 25 Milliarden US-Dollar gelten. Warren schlägt auch vor, dass Beteiligungen wie die von Amazon an der Supermarktkette Whole Foods oder die von Facebook an Instagram und Whatsapp wieder rückgängig gemacht werden. Sie begründet ihre Forderungen vor allem damit, dass die Plattformen zu mächtig geworden sind und zu starken Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung haben. Außerdem würden neue, aufstrebende Firmen gegen die geballte Marktmacht zu wenig Chancen zur Entfaltung haben. Die Politikerin schreibt selbst, dass es schwierig sein wird, die Forderungen umzusetzen. Wenn, dann werde das ihrer Auffassung nach nur mit einer Grassroots-Bewegung zu machen sein. Unterstützer bittet sie, eine von ihr initiierte und verlinkte Petition zu unterzeichnen." Beeindruckend am Beitrag von Elisbeth Warren: die klare Sprache über die Fragen, was sich ändern wird, wenn Elisabeth Warren ihre Reformvorhaben gegen die großen Internet-Konzerne durchgesetzt habe: „Small businesses would have a fair shot to sell their products on Amazon without the fear of Amazon pushing them out of business. Google couldn’t smother competitors by demoting their products on Google Search. Facebook would face real pressure from Instagram and WhatsApp to improve the user experience and protect our privacy. Tech entrepreneurs would have a fighting chance to compete against the tech giants. Of course, my proposals today won’t solve every problem we have with our big tech companies.”

 

Ach ja: Sie hat für ihre Position Anzeigen bei Facebook geschaltet, die von Facebook eigenmächtig aus dem Netz genommen wurden. Zur Macht von Konzernen, wie Facebook, sagt Warren schlagfertig: „Das beginnt schon mit Facebooks Fähigkeit, eine Debatte darüber zu verhindern, ob es zu viel Macht hat.“

 

 

 

#Wieder Ermittlungen gegen Facebook

Montags hatte Zuckerberg noch einige Zeilen in der Presse, wo seine Auffassungen von Privatsphäre zitiert wurden. Am Donnerstag dann musste mal wieder zur Kenntnis genommen werden, dass es neben der üblichen Art und Weise des Abgreifens von Daten der Nutzer und Nutzerinnen noch zusätzliche Abmachungen mit Unternehmen gegeben haben soll. Es liest sich mittlerweile so, dass man den Eindruck bekommt, niemand weiß mehr so ganz genau im Facebook-Konzern, wer welche Verträge mit wem, wann und zu welchem Zweck abgeschlossen hat. In den USA untersucht jetzt die Staatsanwaltschaft folgendes: The companies were among more than 150, including Amazon, Apple, Microsoft and Sony, that had cut sharing deals with the world’s dominant social media platform. The agreements, previously reported in The New York Times, let the companies see users’ friends, contact information and other data, sometimes without consent. Facebook has phased out most of the partnerships over the past two years.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0